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Autor: Andreas Broicher   
 
    Soldat - Reformer - Wegbereiter (1756-1813)
  Buchvorstellung - Kapitel 1 - Herkunft und Jugend

Kapitel 1
Die Vorbereitung
Herkunft und Jugend

(Auszug aus dem Buch)
Die in Scharnhorsts Jugendzeit fallenden Erlebnisse und Erfahrungen waren von solch elementarer Art, daß sie Zeit seines Lebens wirksam und spürbar blieben. Sie sind ihm als erste Grunderfahrung Last und Kraftquell zugleich gewesen. Seine Herkunft aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen und die schwierigen Bedingungen, die ihn im familiären Bereich in seiner Jugend begleiteten, haben seine Wesens- und Charakterbildung stark bestimmt.
Die Begegnung mit dem Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe war für die Bildung und Formung der ihn bestimmenden geistigen Welt von herausragender Bedeutung und hat die Grundlagen für sein ausgeprägtes Selbstwertgefühl gelegt.

 
 
von Schaumburg-Lippe
Sein Emporstreben in einer ständisch strukturierten Gesellschaft, die ihn zeitlebens mit Zurücksetzungen und Diffamierungen zu verletzen suchte, hat ihn manche Überwindung und insgesamt viel Kraft gekostet.

Der Historiker Stadelmann hat das Spannungsfeld, in dem sich das Leben dieses großartigen Menschen abspielte, in die treffenden Worte gefaßt: „Nicht wenige Züge im Charakterbild Scharnhorsts sind aus seinem Lebensschicksal zu begreifen – sein rastloser Ehrgeiz, eine gewisse verlegene Schüchternheit, eine schwere Hand in allen Dingen, ein eigentümliches Bedürfnis, sich nicht durchschauen zu lassen, und eine verschwiegene, mitunter schroffe Empfindlichkeit.“ Es ist ihm von Jugend an bis an sein Lebensende nichts geschenkt worden. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens warf ihn 1809 ein Nervenfieber auf das Krankenlager. Körper und Geist mußten der fortwährenden Überbeanspruchung ihren Tribut zahlen.

Er rang mit dem Tode und sein bisheriges Leben lief noch einmal vor seinem geistigen Auge ab. Eine seiner zahlreichen Reflektionen schrieb er mit schwacher Hand auf den Rand eines gerade verfügbaren Zettels, um seiner über alles geliebten Tochter Julie ein sehr persönliches Bekenntnis zu hinterlassen: „Meine Karriere ist ganz mein eigen Werk, vom zehnten Jahr an.“ Diese Worte erschließen ihre volle Bedeutung erst dann, wenn man sich vergegenwärtigt, unter welch schwierigen Verhältnissen sich die Jugendjahre dieses schwerblütigen niedersächsischen Mannes gestalteten, der am 12. November 1755 in Bordenau, heute ein Stadtteil von Neustadt am Rübenberge, zur Welt kam.