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Buchvorstellung - Kapitel 2 - Erfahrung und Praxis
Kapitel 2
Erfahrung und Praxis
(Auszug aus dem Buch)
(...) Die von den französischen Revolutionstruppen bevorzugte Taktik hat Scharnhorst sehr beeindruckt. Wie bereits ausgeführt, unterschied sich die Haltung der französischen Soldaten völlig von derjenigen der Söldner in der Armee der Verbündeten. Bei den Franzosen sah er bei Mann und Offizier großen Enthusiasmus und die Bereitschaft, die größten Opfer für das Vaterland zu bringen. Ihr Vorgehen in Schützenschwärmen erregte Verwunderung, der im massiven Stoß geführte Angriff der Kolonne hinterließ tiefe Wirkung.
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| französische Revolutionstruppen |
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Dagegen kämpfte auf Seiten der Verbündeten eine Truppe, die nur unter Androhung härtester Strafen am Desertieren gehindert werden konnte und deren Bewegungen und Schwenkungen etwas Maschinenhaftes anhaftete.
Bei den Franzosen herrschte herab bis zum einfachen Soldaten das Bewußtsein vor, Träger einer wahrhaft revolutionären Idee zu sein, die allen Unterdrückten Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit versprach und dem einzelnen Soldaten selbst auf dem Schlachtfeld noch die Freiheit des Handelns ließ. Diese nutzten die Revolutionssoldaten geschickt im unübersichtlichen Gelände im aufgelockerten Schützengefecht aus. Für die Soldaten in der Armee der Verbündeten galt dagegen ein starres Ordnungs- und Führungssystem, daß dem Einzelnen – ob Mann oder Offizier – kaum einen Entscheidungsspielraum gab.
In der Schlacht mußte dieses System beim Entwickeln der Schlachtordnung wie ein Räderwerk funktionieren – möglichst automatisch – um effektiv wirken zu können. Das konnte aber nur im offenen Gelände gelingen, im gedeckten Gelände hingegen mußte es eine so eingesetzte Truppe gnadenlos dem Feuer der gegnerischen Tirailleure aussetzten. Die Revolution hatte in Frankreich neben revolutionärem Elan auch die Liebe zum Vaterland entfacht. Mit dieser völlig anderen Grundeinstellung ließen sich auf französischer Seite häufig taktische und operative Fehler ausgleichen und – wenn auch unter hohen Blutopfern – ungeahnte Erfolge erzielen.
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