Nur, wenn das gelingt, sieht er die Möglichkeit, sich aus eigener Kraft von der Fremdherrschaft zu befreien. „Man muß der Nation Selbständigkeit einflößen, man muß ihr Gelegenheit geben, daß sie mit sich selbst bekannt wird, daß sie sich selbst ihrer annimmt, nur erst dann wird sie sich selbst achten und von Anderen Achtung zu erzwingen wissen. Darauf hinzuarbeiten, dies ist alles, was wir können. Die alten Formen zerstören, die Bande des Vorurtheils lösen, die Wiedergeburt leiten, pflegen und sie in ihrem freien Wachsthum nicht hemmen, weiter reicht unser hoher Wirkungskreis nicht.“ Dieses Bekenntnis ist ein beredtes Zeugnis für den weiten Blick, der Scharnhorst auszeichnete.
Er sah das Wirken der MRK nicht auf rein organisatorische, taktische und Ausbildungsfragen beschränkt. Besonders kam es ihm auf die Elemente der Bildung und Erziehung an, denen ein Gleichmaß an Bedeutung in Staat, Gesellschaft und Armee zukommen müßte. Im Streben nach diesem Ziel ist die staatspolitische Dimension des von ihm verfolgten Reformkurses erkennbar.
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In einer persönlichen Denkschrift an den König benannte Scharnhorst bereits im Juli 1807 die Eckpunkte der dringend gebotenen Heeresreform. Ganz oben stand für ihn das politische Ziel: Befreiung von der Fremdherrschaft und die Wiedergewinnung der Unabhängigkeit und Selbständigkeit des preußischen Staates. Die in der Denkschrift vorgeschlagenen Reformen, die sich am französischen Beispiel orientieren sollen, sind erkennbar das Ergebnis der Erfahrungen, die er in Belgien und in den Niederlanden zwischen 1793-1795 und in den Kriegen zwischen 1806 und 1807 gemacht hatte.
Hier finden wir auch einige Formulierungen, die bis in unsere Tage hinein nichts an Prägnanz verloren haben: „Alle Bürger des Staates sind geborene Verteidiger desselben.“ Aber besonders lag es ihm am Herzen, Offiziere heranzubilden, „die zu kommandieren verstanden“, und die “neben dem Mut, der Entschlossenheit und dem Vertrauen der Untergebenen zugleich Kenntnisse des Kriegswesens, Erfahrung und ausgebildete Urteilskraft“ besaßen. Die Denkschrift schließt mit den programmatischen Sätzen: „Der Geist ist der beste Hebel des Heeres; ohne ihn helfen alle Paradekünste nichts, das Heer bleibt ohne Geist eine bloße Maschine, ein Räderwerk von Automaten, das den Führer in der Regel im Stich läßt. Dieser Geist entsteht nicht von selbst, er muß von oben herab durch äußere und innere Mittel, durch Vaterlandsliebe, durch Gemeinsinn, durch zweckmäßig eingerichtete Volksschulen (gemeint sind Bildungseinrichtungen im weitesten Sinne) und durch umsichtig geleitete, den Anforderungen der Zeit entsprechende Kriegsschulen geweckt werden.“
Diese Grundsätze haben noch nichts von ihrer Aktualität verloren. Die Postulate Scharnhorsts: Freiheit des Denkens, eigenständiges und unabhängiges Urteil, Hingabe an den Beruf und die Entwicklung eines beispielhaften Gemeinsinns sowie eine auf historischer Bildung gegründete Vaterlandsliebe stehen auch heute noch jedem Bürger dieses Staates, und vor allem dem Offizier, gut an.