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Die Armee verkörperte die Idee vom machtvollen, zentralisierten und absolutistisch regierten Staat. In einem solchen System einseitiger Abhängigkeiten wurde besonders evident, was Ranke einmal zu der Feststellung veranlaßte, die Struktur des Heeres und das gesamte innere Leben der Staaten hingen auf das engste zusammen. In Preußen kam es nach Abschluß der Befreiungskriege zu einem Ringen der Staatsgewalt und des Bürgertums um die Armee. Es mußte sich klären, in welchem Umfang das demokratische Wollen der Bürger künftig stärker berücksichtigt, oder weiterhin von einer „in erster Linie verantwortlichen Obrigkeit diktiert werden sollte“. Die Gestalter preußischer Politik suchten nach einer Antwort auf die Frage, „ob der Soldat als Bürger mit allen Rechten und Pflichten oder nur als Exekutionsorgan des Staates anzusehen sei. Davon hing wiederum im größeren Zusammenhang die Zuordnung von ziviler und militärischer Gewalt ab.“ Eine Folge dieses Ringens war, daß die durch die Ereignisse des zurückliegenden Jahrzehnts erzwungenen Reformen recht bald zu einem Stillstand kamen und schließlich bis auf einige Ausnahmen entweder revidiert, modifiziert oder kassiert wurden. Die von den Staats- und Militärreformern gewünschte verfassungsmäßige Verankerung der während der Befreiungskriege praktizierten liberalen Gesetze und Verordnungen blieb aus. Der König löste sein entsprechendes Versprechen nicht ein.
Die Ausbildung der Offiziere
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Dieses Spannungsverhältnis zwischen breiter Allgemeinbildung und engerer berufsspezifischer Bildung des Offiziers konnte auch in der Folgezeit nicht aufgelöst werden, da es in der Natur der Sache begründet ist. Führen im Gefecht – und darauf zielten Erziehung und Bildung der militärischen Führer damals eindeutig ab – hat zur Folge, daß der Führer sich und seine Truppe feindlicher Waffenwirkung aussetzen muß. Verwundung und Tod gehören seit jeher zu den ständigen Begleitern des Soldaten im Kampf.
Jede militärische Führung muß daher zu allererst in der Führerausbildung darauf achten, daß die Offiziere und Unteroffiziere so effizient im Gefecht führen, daß das Risiko von Tod und Verwundung für die von ihnen Geführten auf ein hinnehmbares Maß reduziert wird. Je höher die Führungsebene, um so größer die diesbezügliche Verantwortung, die auf dem militärischen Führer lastet. An dieser Grunderkenntnis, die Scharnhorst aus den Erfahrungen in den Revolutionskriegen gewann und auf die er in seinen Schriften über das militärische Bildungswesen wiederholt hingewiesen hat, kam man damals genauso wenig vorbei wie heute.
Fest steht aber auch, je anspruchsvoller die Führungsaufgaben im Kriege sind, um so umfassender muß auch die Bildung der Führer und ihrer Gehilfen sein, um das Gewicht der unterschiedlichsten Einflußgrößen auf den Verlauf des Krieges, einer Schlacht oder eines Gefechtes angemessen beurteilen zu können. Für Offiziere, auf denen die Last schwerwiegender Entscheidungen liegt, ist es daher ebenso zwingend wie für die sie unterstützenden Gehilfen, sich mit dem Wesen des Krieges und seinen charakteristischen Erscheinungsformen ständig auseinanderzusetzen. Dafür muß ihre Aus-, Fort- und Weiterbildung die Voraussetzungen schaffen. Das so erworbene Wissen kann nur dann zur angestrebten Reife und Sicherheit des Urteils führen, wenn ein intensives Selbststudium es vertieft und so aus dem Wissen Bildung wird.
Im 2. Kapitel, das unter dem Leitgedanken „Erfahrung-Theorie-Praxis“ steht, haben wir gesehen, welch hohe Bedeutung Scharnhorst diesem Dreiklang beigemessen hat. Betrachtet man die Entwicklungsgeschichte des Bildungswesens im preußisch-deutschen Heer, dann darf man diese Sicht Scharnhorsts nicht außer Acht lassen. Sie gehört zu dem Teil seines Vermächtnisses, der zeitlos ist
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